Wirbel im
Badezimmer

StyIepark im Gespräch mit Philippe Grohe

Vice President Design Management Philippe Grohe

Wasser sinnlich erleben

Mit der Brunnenarmatur „Axor Starck V“ betrat Axor Neuland und zaubert einen Wirbel ins Badezimmer.

Styleparks Thomas Wagner hat mit Philippe Grohe, dem Vice President Design Management der Hansgrohe SE, über Möglichkeiten gesprochen, Wasser sinnlich zu erfahren.

Glasarmatur mit sichtbarem Wasserwirbel

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, das Badezimmer mit einem veritablen Strudel auszustatten?

Philippe Grohe: Die Idee stammt von meinem Vater. Es ist ja so: Wenn Sie nicht etwas Besonderes mit dem Wasser machen, dann sehen Sie die Bewegung des Wassers nicht. Es ist total transparent und ruhend – und das ist herzlich unspektakulär. Mit dem Wirbel visualisieren wir die Vitalität des Wassers.

Jetzt bin ich aber einer, der sich mit der ruhigen Seite des Wassers durchaus wohlfühlt. Wasser hat ja zwei Seiten. Mal ist es eher ruhig, mal wild bewegt. Es kann uns Energie geben oder uns beruhigen. Mal haben wir meditatives Wasser – wie in einem Brunnen, und mal aktives Wasser – wie in einem Strudel.

Ihr Vater hatte die Idee, aber Sie haben den Vortex dann zusammen mit Philipp Starck realisiert?

Philippe Grohe: Ja, es war ein langer Weg vom Traum zum industriellen Produkt. Wie in jedem Designprozess kam aber noch etwas anderes hinzu: das Thema des ruhenden, des sichtbaren Wassers.

Ich führe seit über zehn Jahren Dialoge mit Architekten, Innenarchitekten und Produktdesignern, und wir haben uns sehr, sehr oft über das Thema Wasser im täglichen Leben unterhalten und uns gefragt, wie wir es wieder präsenter machen können.

Deshalb war es mir auch sehr wichtig, dass das Wasser in der Armatur „Axor Starck V“ immer präsent bleibt. Das heißt: Wir haben auf der einen Seite einen ruhigen Brunnen und auf der anderen mit dem Vortex ein unglaublich faszinierendes Schauspiel.

Philipp Starck hat gesagt, als er zum ersten Mal den Wirbel gesehen hat: "Das ist ein Geschenk für den modernen Menschen, weil er auf diese Weise intuitiv die Schönheit und die Komplexität der Natur entdecken und begreifen kann". Wenn Leute mich fragen: Wie sieht denn dein Bad aus? – dann sage ich: "Ich hab’ ein großes Fenster und ich hab’ ein kleines Bad (lacht)." Das ist prima, denn ich hab’ da draußen in der Natur alles, was ich brauche. In Städten ist das allerdings ein bisschen anders.

In der Regel mögen wir doch beides, aktives Wasser und ruhiges Wasser. Wie wichtig ist es für Sie, beide Zustände zeigen zu können?

Philippe Grohe: Absolut wichtig. Das Wasser berührt uns optisch und haptisch; wir fühlen uns besser, wenn wir rausgehen und ein Stück Natur sehen. So sind wir gemacht. In Teilen sind wir noch immer Tiere, die es mit ihrer Kultur weit gebracht haben.

Jean-Marie Massaud hat mir mal gesagt: "Seit wir von den Bäumen gestiegen sind, fehlt uns etwas." Das mag plakativ klingen, für mich war es aber immer ein ganz klares Bild. Ich möchte dass die Menschen, wenn sie einen Raum betreten, auch Wasser sehen.

Wasser als Lebenselixier?

Philippe Grohe: In der Tiefsee gibt es kein Licht, im Wasser aber ist Leben. Wasser und Leben gehören zusammen. Wasser ist überhaupt ein mächtiges Medium, wenn es um unser Verhältnis zu uns selbst und unseren Körper geht: Sind wir schlecht gelaunt, hebt eine Dusche unsere Laune, sind wir müde, gibt Wasser uns Energie. Sind wir aufgeregt, bringt es uns runter.

Der Brunnen war immer ein zentrales Thema.

Glasarmatur in dunklem, künstlichen Ambiente

Sie haben es also nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Emotionen zu tun?

Philippe Grohe: In anderen Kulturen hat man diese emotionale Seite nicht in gleichem Maß verloren wie in der westlichen Welt. Erst nach und nach entdecken wir sie wieder.

Antonio Citterio hat mir einmal gesagt: "Warum duschen wir eigentlich länger als drei Minuten? Sauber können wir auch schon nach einer Minute sein." Das stimmt. Um Hygiene allein kann es also nicht gehen.

Worin besteht technisch derzeit für Sie die größte Herausforderung? Welche Art, Wasser zu erfahren, wird von der Technik favorisiert? Welche vom Design angestoßen?

Philippe Grohe: Wir können uns über die optisch emotionale Seite des Wassers unterhalten, wir können aber auch über die haptische Qualität des Wassers sprechen.

In beidem stecken Technik und Design.

Philippe Grohe: Ja, klar. Das lässt sich nicht trennen. Wenn wir die Luft aus dem Wasser rausnehmen, passiert etwas; und es passiert auch etwas, wenn wir die Luft wieder ins Wasser reinblasen. Es macht aber einen großen Unterschied, ob das Wasser dann durch ein großes Loch oder durch 90 kleine fließt.

Das macht es ja so unglaublich spannend, dass wir über die Technik immer wieder einen wichtigen Impuls bekommen. Wir haben im Unternehmen fantastische Leute, die zum Teil schon in der dritten Generation bei uns arbeiten. Da kommen schon ein paar Sanitär-Meilen auf den Zähler.

Ganz konkret: Sie haben die Idee, einen Strudel erzeugen zu wollen und fangen an, das technisch zu entwickeln. Wie geht es dann weiter? Wann wird der Designer einbezogen?

Philippe Grohe: Im aktuellen Fall haben wir Philippe Starck tatsächlich die technische Lösung auf dem Tablett serviert. Er ist da extrem offen und gerecht. Selbst wenn wir nicht dabei sind, sagt er: „Hey, ich hab fast nichts machen müssen.“ Natürlich macht er dann einen Witz und sagt: „Das war ja auch noch transparent, das ist ja noch weniger.“

Wenn wir uns auf ein für uns neues Feld vorwagen, ist ein Impuls von außen oft sehr wichtig. Da man in unserer komplexer werdenden Welt große Investitionen braucht, um die Sachen hinzubekommen, sind Erfahrung und Kompetenz, die wir im Haus haben, ebenso wenig zu ersetzen wie eine langfristige Beziehung zu einem Designer.

Welche Aspekte sind im Fall von „Axor Starck V“ zusammengekommen?

Philippe Grohe: Das Spektakulärste ist auf jeden Fall der Vortex. Es war uns aber auch sehr, sehr wichtig, einen Brunnen zu machen, also auch das ruhende Wasser abzubilden. Deswegen spreche ich, wenn ich über „Axor Starck V“ rede, eigentlich von einer Brunnenarmatur. Das ist eine neue Dimension.

War Glas von Anfang an als Material gesetzt?

Philippe Grohe: Glas war wegen der Transparenz gesetzt. Es ist kratzfester, Reiniger resistenter als Chrom und besitzt Hygienequalitäten, die Sie mit keinem Kunststoff erzielen können. Zudem ist es nachhaltig – alles Gründe für uns, es mit Glas zu probieren.

Was lernen Sie in der Zusammenarbeit mit Designern, so verschieden deren Temperamente auch sein mögen?

Philippe Grohe: Designprozesse dauern ja leicht einige Jahre, da knüpft man schon sehr persönliche Beziehungen. Man redet ja nicht nur über Wasserhähne oder Bäder, man unterhält sich ja auch über das Glück oder das Unglück des Lebens. Ich empfinde es als großes Privileg, mit so vielen unterschiedlichen Leuten zusammenarbeiten zu können. Klar überlegt man sich, mit welchem Designer man welche Themen angeht.

War es klar, dass der Wirbel zu Starck gehört?

Philippe Grohe: Ziemlich klar. Weil Philippe Starck jedes Projekt so frisch und unbefangen angeht wie ein Kind. Er belastet sich nicht mit dem, was er vorher gemacht hat. Das ist eine seiner Stärken. Ich bin nicht in der Lage, die Vergangenheit komplett ruhen zu lassen. Das ist vielleicht etwas Deutsches. Philippe aber macht dann einfach „pffft“ und guckt resolut in die Zukunft.

Axor Starck V
PR Manager Astrid Bachmann

Autor

Astrid Bachmann PR Manager Axor