Zukunftsfähige Badkonzepte.

Gastbeitrag von Thomas Edelmann.

AXOR Badgespräch auf der ISH

Nutzung & Funktion des Bades in der Zukunft.

Der AXOR Talk „Bathroom Sharing Concepts und Universal Design: Wie sehen Badezimmer für urbane WG-Lebensräume in Zukunft aus?“ eröffnete ein gestalterisch-politisch-soziales Tableau. Um alternative Lebensformen und deren bauliche Gestaltung, um gemeinsamen Gebrauch von Bädern und „Demografiefestigkeit“ des Wohnbestands kreiste das Gespräch.

Dabei diskutierten Architekt Bernhard Franken aus Frankfurt, Thomas Bade, der das Institut für Universal Design in München und Stadthagen leitet, sowie Fabian Kinzler, bei AXOR/hansgrohe für Wohnungsbau & Pflege zuständig, also für Kunden aus der Wohnungswirtschaft und für Betreiber von Pflegeeinrichtungen.

Professor Franken, Architekt aus Frankfurt.

Formen der Gemeinschaft

Die Debatte handelte von „Demografiefestigkeit“ der Wohnungen, von alternativen Wohnmodellen, etwa von Sharing-Konzepten, bei denen Räume geteilt und gemeinsam genutzt werden. Geht das, abgesehen von innovativen Hotel- und Bürokonzepten, etwa auch im Bad?

Architekt Franken, dessen Büro spezialisiert sei „mit räumlichen Mitteln Geschichten zu erzählen“, berichtete von Projekten, bei denen das Teilen des Raumes im Mittelpunkt steht. „Ein Bad war noch nie dabei“, sagt er.

Raumszenario im Mittelpunkt.

„Die Zukunft liegt nicht mehr im Produkt, sondern im Raumszenario“, behauptet Thomas Bade vom Institut für Universal Design. Die Scheu vor dem Thema des demografischen Wandels sei inzwischen wirtschaftlichen Erwägungen gewichen. Nicht im Neubau von möglichst barrierefreien Wohnungen, sondern im Bestand lauern die Herausforderungen. Dessen 2,5 Millionen Wohneinheiten gelte es „demografiefest“ zu machen. Wofür allein die Wohnungswirtschaft mit rund 15000 Euro pro Wohneinheit rechne, ein Großteil der Mittel fließe ins Bad.

Thomas Bade vom Universal Design Institut.
Fabian Kienzler, Teamleiter Projektgeschäft.

Richtige Produkte für unterschiedliche Nutzer.

Für Fabian Kinzler, der dieses Projektgeschäft für AXOR/hansgrohe als Teamleiter genauestens kennt, bedarf allerdings das Raumszenario, von dem Bade sprach, der richtigen Produkte, die unterschiedlichsten Gruppen von Nutzern entsprächen.

Mehrere Realitäten

Während Architekt Franken an Standards überwindenden Experimenten interessiert ist; daran, bestehende Wohnungsgrenzen aufzulösen, um gemeinschaftlich genutzten Bereichen mehr Raum zu schaffen und Longterm-Stay, Boarding- oder Sharing-Konzepte zu erproben, diskutierten Bade und Kinzler entlang der Erwartungen der Wohnungswirtschaft.

Bade erwartet, dass so etwas wie ein ökonomisch bedingtes Zwangs-Sharing des Badezimmers entsteht, nach dem Vorbild von Pflegebädern. Gestaltung sei dabei Voraussetzung, um möglichst lange in der eigenen Wohnumgebung aktiv sein zu können.

Kinzler konstatiert, dass bei aktuellen Bauvorhaben die Standardisierung stärker im Fokus sei „als der Endnutzer das möchte.“

Kienzler widerspricht der Erwartungen an geteilte Bäder: Wer heute Studenten-Kleinstwohnungen und Mikro-Appartements baue, statte die mit Kompaktbädern aus. „Etagenbäder senken die Vermietbarkeit“. In der stationären Pflege wären eigene Bäder zunehmend vorgeschrieben.

Die Welt ein Hotel?

Als „Reflex des Ängstlichen“ versteht Franken den Hang zur Standardisierung. Er konstatiert die Hybridisierung von Hotel- und Wohnformen. Statt Standardisierung von Produkten und räumlichen Anforderungen wünscht er sich flexible Prozesse.

Ähnlich der im Bürosektor, wo an die Stelle dauerhafter Vermietung großer Flächen neue hotel-ähnliche Konzepte treten. Diese erfordern flexiblere gestalterische Antworten, durch die sich der Wohnmarkt wandeln werde. Aus Vermietern müssten auch dort Betreiber werden, die laufend auf die Änderungswünsche der Nutzer eingehen.

Die Welt ein Hotel? Bade und Kinzler meldeten im Hinblick auf Nutzer und Wohnungswirtschaft Zweifel an. Wichtig sei, hohe Ausstattungsstandards zu definieren, deren Nutzbarkeit sich immer wieder an veränderte Erwartungen anpassen lasse.